Verabschiedung von Bernd Weckler

Seit der Bahnreform im Jahr 1994 besteht die Eisenbahn in Deutschland Kraft Gesetz aus zwei grundsätzlichen Teilen: Der Infrastruktur, zu der man alles zählt, was sich unter dem Rad der Züge befindet. Und dem Verkehr, dem man alles zurechnet, was sich über den Schiene abspielt. Dass eine Gesellschaft oder eine Person beide Bereiche vertritt, wird zunehmend die Ausnahme. Noch seltener ist es, dass Bahngesellschaften in der Fläche personelle Präsenz zeigen und mit einem betrieblichen Ansprechpartner vor Ort für Verbindlichkeit und Nähe sorgen. Eine der Strecken, auf denen dies fast seit ihrer Wiederbelebung so war, ist die Nebenbahn Engstingen – Schelklingen. Die Infrastruktur auf dieser Strecke wird von der Erms-Neckar-Bahn AG (ENAG) betrieben, während die Züge von der Schwäbischen Alb-Bahn GmbH (SAB) gefahren werden. Für beide Gesellschaften war Bernd Weckler bis zum 31.12.2018 der örtliche Betriebsleiter, also der Ansprechpartner sowohl für die Infrastruktur-Themen wie auch für die Verkehrsangelegenheiten.

Carsten Strähle (rechts) verabschiedet Bernd Weckler (links) im schneebedeckten Bahnhof Münsingen von der ENAG. Foto: Eva-Maria Rabuser

Er hat den Weg von der seit 1999 nicht nur einmal stilllegungsgefährdeten Linie vom Schmiechtal auf die Alb vom Aschenputtel bis zum Erfolgsprojekt vor Ort mitgestaltet. Mit dem Erfolg der historischen Zugangebote, aber auch des Schüler- und Güterverkehrs, gingen Jahr für Jahr wachsende Aufgaben einher. So wuchs die SAB aus dem Verein von Ehrenamtlichen zu einem beachtlichen Verkehrsbetrieb mit 21 Beschäftigten und ganzjährigem, täglichen Betrieb. Gleichzeitig schuf die ENAG die zur Weiterentwicklung nötige Technik: Bahnübergänge wurden mit Halbschranken gesichert, Weichen elektrisch angesteuert, Funkmasten für die sichere Kommunikation der Züge mit Leitstelle errichtet. Mit der Inbetriebnahme der Zugsicherungstechnik können mehrere Züge gleichzeitig auf die Strecke gehen, das Angebot nochmals erheblich erweitert werden. All diese Maßnahmen haben nicht zuletzt dem Wunsch der Raumschaft Rechnung getragen, die Bahnlinie über die Alb noch attraktiver für den täglichen Verkehr zu gestalten. So hat sich das Land Baden-Württemberg als zuständiger Aufgabenträger entschlossen, die vielfältigen Bemühungen vor Ort zusammenzufassen und mit einem neuen Verkehrskonzept die Strecke zu erweitern und weiterzuentwickeln. So wird zum Dezember 2019 die Strecke Engstingen – Gammertingen reaktiviert und das werktägliche Zugangebot auf der Gesamtstecke mehr als verdoppelt.

Damit er sich als Geschäftsführer der SAB GmbH dieser Herausforderung vollkommen widmen kann, hat sich Bernd Weckler entschieden, seine Tätigkeit für die Erms-Neckar-Bahn AG aufzugeben. Wo der Positivtrend der vergangenen Jahre durch das enge Zusammenwirken von Politik, Kommunen und Bevölkerung auf der einen Seite ermöglicht wurde, war es bahnbetrieblich gesehen vor allem die enge Verbundenheit zwischen ENAG und SAB, deren Schicksalsgemeinschaft bei der Erhaltung der Bahn sich mit einem stets präsenten und aufnahmebereiten Bernd Weckler ausdrückte. Ein Glück für die Alb-Bahn-Strecke war dabei die umfangreiche Erfahrung im Eisenbahnwesen und im Bahnbetrieb, aber noch viel mehr seine Fähigkeit, die Menschen für die Eisenbahn begeistern zu können, die Bernd Weckler einbringen konnte. So konnten die bescheidenen finanziellen Möglichkeiten der ersten 10 Jahre an mancher Stelle durch den SAB-Verein mit seinen ehrenamtlichen Helfern aufgefangen werden.

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