ENAG-Endspurt auf der Ermstalbahn

Die ENAG schafft auf der Ermstalbahn an allen Ecken und Enden, um die Elektrifizierung zwischen Metzingen und Bad Urach planmäßig abzuschließen. Das geht aber leider nicht ohne Sperrungen: Vom 9. bis zum 29. April 2022 ist die Schienentrasse zwischen Metzingen und Bad Urach gesperrt, um weitere Streckenabschnitte ausbauen zu können.

Monteure installieren nachts, wenn keine Züge fahren, die Querträger für die Oberleitung. Foto:ENAG / Peter Beck

Die bereits an der Strecke stehenden 213 Masten tragen zum Teil schon die Querträger für die Oberleitung. Weitere Träger montiert eine Fachfirma in der elften und zwölften Kalenderwoche 2022. Die Arbeiten finden nachts zwischen 23 und 5 Uhr statt, weil es zu dieser Zeit keinen Zugverkehr gibt. Dabei werden Beeinträchtigungen für die Anwohner möglichst vermieden. „Die Elektrifizierung wird bis Jahresende 2022 abgeschlossen“, sagt der ENAG-Vorstandsvorsitzende Carsten Strähle. „Auch das neue Elektronische Stellwerk in Dettingen-Gsaidt wird bis dahin betriebsbereit sein.“ Von Dezember an gebe es für die Fahrgäste auf der Ermstalbahn eine spürbare Verbesserung. „Dann fährt abends bis kurz vor Mitternacht jede Stunde ein Zug nach Bad Urach“.

Mit den Aufgaben wächst auch das ENAG-Team: Auf dem Areal des ehemaligen Militärbahnhofs Oberheutal bei Münsingen werden seit dem 1. August 2021 sieben Quereinsteiger aus anderen Berufen zu Fahrdienstleitern ausgebildet. Mitte März 2022 steht deren Abschlussprüfung an. Später nehmen die neuen Sicherheitskräfte ihren Dienst in dem im Aufbau befindlichen Elektronischen Stellwerk (ESTW) in Dettingen-Gsaidt auf, um den Zugverkehr auf der Erms- und Ammertalbahn sicher und pünktlich zu steuern. Später können von dort aus auch noch weitere Strecken der Regional-Stadtbahn-Neckar-Alb (RSBNA) überwacht werden.

Ausbilder Günther Hörnle erklärt Journalisten im ENAG-Schulungszentrum Oberheutal die Funktion eines Elektronischen Stellwerks. Foto: ENAG / Wolfgang Schulz-Braunschmidt

„Alle sind gut“, lobt Ausbildungsleiter Günther Hörnle seine Schüler im Alter zwischen 24 und 52 Jahren. Vor seiner Pensionierung hat Hörnle als Ausbildungsleiter im Bahnhof Reutlingen, „mehrere hundert Anfänger bei der Bahn ausgebildet“. Im „Unruhestand“ bringt er seine ganze Berufserfahrung in die ENAG ein. „Fahrdienstleiter sind für die sichere, pünktliche und wirtschaftliche Durchführung von Zugfahrten verantwortlich“, so Hörnle. „Das ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit.“ Ein Fahrdienstleiter prüfe stets, ob der Fahrweg für einen Zug frei sei, bevor er den nächsten Streckenabschnitt öffne.

Aufgrund von der ENAG nicht beeinflussbarer Entwicklungen verzögern sich einige Maßnahmen. Ausschlaggebend dafür ist neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie auch der herrschende Fachkräftemangel. Gegenwärtig ist es sehr schwierig, genügend Fachfirmen aus den Bereichen Bau- und Bahntechnik fristgerecht für entsprechende Vorhaben zu finden. Zudem erfordert die neue Eisenbahn-Inbetriebnahmegenehmigungsverordnung (EIGV), die parallel zum Baubeginn in Kraft getreten ist, deutlich mehr Abstimmungsprozesse zwischen allen Beteiligten.

Das betrifft auch die Technik der Stellwerke. Da der Ausbau des Stellwerks im Bahnhof Metzingen erst im April 2023 abgeschlossen sein wird, kann der Abschnitt Reutlingen – Metzingen – Bad Urach vorerst nur im Stundentakt befahren werden. „Der Abschluss der Arbeiten im Metzinger Stellwerk ist die Voraussetzung dafür, dass dieses mit dem neuen Stellwerk in Dettingen-Gsaidt kommunizieren kann“, betont Strähle. „Ab Mai/Juni 2023 wird dann tagsüber alle halbe Stunde ein Zug von Bad Urach aus unterwegs sein.“

Auch das Stellwerk in Reutlingen erhält bis September 2023 ein Technik-Update, um für einen dichteren Zugverkehr gerüstet zu sein. „Wegen der neuen Reutlinger Haltepunkte „RTunlimited“ und „Bösmannsäcker“ befinden sich die Züge länger in einem Blockabschnitt“, erläutert Strähle. „Um die Zugfolge zu harmonisieren und einen zuverlässigen Zugverkehr zu gewährleisten, sind daher zusätzliche Blockabschnitte einzurichten.“

Experte für einen sicheren und pünktlichen Zugverkehr: Günther Hörnle hat schon viele Fahrdienstleiter ausgebildet. Foto: ENAG / Wolfgang Schulz-Braunschmidt

Nach Angaben des baden-württembergischen Verkehrsministeriums nimmt die DB Regio AG den elektrischen Zugbetrieb auf dem Modul 1 zwischen Bad Urach und Herrenberg zum Jahresende 2022 schrittweise mit Elektrozügen auf. Da die E-Züge noch bis Mitte Dezember 2022 im Netz Augsburg verkehren, hat das Land als Aufgabenträger für den Schienenpersonenverkehr der DB Regio zugestanden, bis März 2023 die Diesel-Triebwagen des Typs RS1 nach und nach durch die frisch überholten E-Triebwagen zu ersetzen.

Gemeinsam mit dem Reutlinger Landrat Dr. Ulrich Fiedler setzt sich der ENAG-Vorstandsvorsitzende Carsten Strähle dafür ein, dass alle am Modul 1 der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb (RSBNA) beteiligten Partner das wichtige Projekt so rasch wie möglich vorantreiben. Der mit dem RSBNA-Projekt verbundene Halbstundentakt sei der erste erkennbare Fortschritt für die Bürger und Bürgerinnen im Rahmen der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb und von enormer Bedeutung für ein attraktives und leistungsfähiges regionales Schienensystem.

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